André-Mouton-Platz

Bericht: Harzer Panorama

Goslar/ cf. Mit Musik und Applaus wurde am 21. Mai 2015 der neue André-Mouton-Platz in Oker eingeweiht. Der ehemalige "Hundemarkt" wurde nach einem Beschluss im Jahr 2012 neu gestaltet. Die Stadt hatte auf dem Hundemarkt Gebäude erworben und zurückbauen lassen, außerdem wurden Bäume angepflanzt. Im Rahmen dieser Umgestaltung wurde vom Rat der Stadt auch beschlossen, die Stelen und Gedenktafeln, die am Bahnhof Oker an den "Großen Harzer Todesmarsch" von Osterode am Harz nach Oker erinnerten, an den neu gestalteten Platz zu verlegen. Am 1. April vergangenen Jahres wurde dann der Beschluss gefasst, den Hundemarkt neben der Okeraner Begegnungsstätte in "Andre-Mouton-Platz" umzubenennen.
"Wir haben hier einen würdigen Ort gefunden, um an die Geschehnisse vor 70 Jahren zu erinnern", betonte Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk bei der Einweihung am Donnerstag vor großem Publikum und resümierte noch einmal das Leben des heute 91-jährigen Andre Mouton, der im Zweiten Weltkrieg aufgrund von Waffenbesitzes von der Gestapo verhaftet wurde. Der Zwangsarbeiter musste die Deportation in mehrere Konzentrationslager über sich ergehen lassen.

Bericht: Harzer Panorama

Im Jahr 1945 nahm er mit vielen anderen Betroffenen einen schweren 35-Kilometer-Marsch von Osterode nach Oker auf sich. "Es war einer der größten Gewaltmärsche im Harz", so Junk. Am 15. Mai 1945 kam dann endlich der Zeitpunkt der Befreiung und Mouton, der sich im Anschluss für die Aussöhnung der Kriegsfeinde einsetzte, konnte die langersehnte Rückreise nach Frankreich antreten. "Auch die Todesmärsche sind Teil des Harzes und gehören zum traurigen Teil der Geschichte", sagte der Oberbürgermeister und führte fort: "Dieser Platz ist ein bleibender Ort der Erinnerung." Die Zahl der Zeitzeugen schrumpft, umso wichtiger seien Orte wie dieser, findet der OB.
Auch der Initiator der Mouton-Erinnerungsarbeit und ehemaliger Lehrer der André-Mouton-Realschule, Dr. Reinhard Roßdeutscher, sprach ein Grußwort auf dem neu errichteten Platz. Er wanderte mit Schülern im Jahr 1998 den Todesmarsch innerhalb von acht Stunden nach. "Wir hatten zu essen und zu trinken, festes Schuhwerk, das ist der Unterschied", gibt er zu bedenken.
Im Jahr 1999 traf er Mouton das erste Mal in Straßburg.

Bericht: Harzer Panorama

"Ich wusste, er war durch die Hölle gegangen, dachte es wäre ein großer, robuster Kerl", erinnert er sich. Dann aber stand ein zierliches, kleines Männlein vor ihm. Doch in ihm steckte Großes. Roßdeutscher schätzt seine Bemühungen, Versöhnendes zu gestalten und Erinnerungen wachzuhalten.
Wer setzt die Arbeit fort? Auf den Gedenkplatz ist er stolz, hofft aber auch, dass er lange erhalten bleiben kann. "Wenn das kein loser Stein-und Metallhaufen werden soll, müssen Jüngere diese Arbeit fortsetzen", betont er. Die Deutschen hätten seiner Meinung nach nicht das Recht, mit der Vergangenheitsbewältigung abzuschließen, "sonst wird Tröglitz immer öfter und überall möglich sein", unterstrich Roßdeutscher.
Der engagierte Bürger Jens Kloppenburg und Moderator der Veranstaltung versprach, dass sich viele Okeraner der Sache annehmen würden.
Das Thema "Krieg und Frieden" thematisierte das Musikensemble der Adolf-Grimme-Gesamtschule aus Oker unter der Leitung von Rainer Buhl. Mit Originalgegenständen aus dem Rammelsberg-Museum wurde musiziert ein krönender Abschluss.

Bericht Harzer Panorama vom 24.05.2015
Bilder: Dieter Sandte

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